In der Zen-Philosophie wird jeder Schritt zu einem Akt der Achtsamkeit, jede Wiederholung zu einem Ausdruck von Präsenz. Die Fotografie kennt diese Kraft ebenfalls – oft in den kleinsten, unscheinbarsten Handlungen. SD-Karte formatieren, Objektiv putzen, Stativ ausklappen, Akku einlegen – Tätigkeiten, die auf den ersten Blick trivial wirken, werden im Rhythmus der Wiederholung zu Ritualen.
Es ist nicht das Ergebnis, das zählt, sondern die Aufmerksamkeit, die wir in das Tun legen. Jedes sorgfältige Putzen der Linse, jeder prüfende Blick auf die Ausrüstung, jede wiederholte Bewegung – sie formt unsere Haltung, unsere Geduld und unseren Blick für das Wesentliche. Die Routine verwandelt sich in eine stille Meditation, ein bewusster Übergang vom Alltag in den Moment der Fotografie.
Wie in der japanischen Kalligraphie oder auch der Tee-Zeremonie ist das Reiben den Tintensteins, das Kochen des Wassers nicht bloß lästiger Teil der Vorbereitung, sondern tief eingebetet in das eigentliche Tun und wird somit Teil desselbigen.
„Wer die Handlungen ehrt, ehrt das Sehen selbst.“
Kleine Handlungen, große Bedeutung
Was wir täglich tun, scheint oft banal. Doch im Zen gilt nichts als zu klein oder unbedeutend. Ein gefaltetes Tuch, ein geöltes Schloss, ein leises Auf- und Zuklappen – alle Handlungen sind Bausteine eines größeren Ganzen. Mit der Zeit tragen sie eine Bedeutung, die über die Tätigkeit hinausgeht.
So wie Gebete, die man nicht mehr hinterfragt, über Jahre hinweg Kraft sammeln, so prägt die Routine im fotografischen Tun unsere Haltung. Jeder Moment der Aufmerksamkeit hinterlässt Spuren – in unseren Bildern, in unserem Blick, in unserer Präsenz.
Die Fotografie wird so zu mehr als Technik: sie wird zu einem Spiegel der Achtsamkeit, in dem kleine Handlungen zu stillen Ritualen werden.
Die Schönheit des Alltäglichen
Routine als Ritual lehrt uns, Schönheit im Gewöhnlichen zu finden. Wer jeden Schritt bewusst vollzieht, erkennt Muster, Details, Nuancen, die sonst ungesehen bleiben. Die Reflexion des Lichts auf einer Linse, das sachte Rütteln am Stativ, das Geräusch einer Kamera beim Einschalten – alles wird zu einem Moment, der Aufmerksamkeit verlangt und schenkt.
Zen-Fotografie ist nicht nur das Jagen nach dem perfekten Motiv, sondern die Freude an kleinen und großen Dingen, die wir täglich tun. Diese Aufmerksamkeit verwandelt die vermeintlich profanen Tätigkeiten in einen meditativen Akt, der Geist und Körper in Einklang bringt.
„Die Welt offenbart sich in den kleinen Bewegungen des Alltags.“
Übung: Rituale bewusst erleben
Eine kleine Übung für den Alltag: Nimm dir Zeit für deine fotografische Routine, ohne ein Bild zu machen.
- Formatiere die SD-Karte bewusst, spüre das Material beim Einlegen in deinen Händen.
- Putze das Objektiv, beobachte das Licht auf der Linse.
- Achte auf das Geräusch des Anschalters. Wie klingt deine Kamera, wenn du sie in Betrieb nimmst?
Lass jeden Schritt vollständig auskosten, ohne Ziel, ohne Eile. Beobachte, wie sich die Haltung verändert, wie Präsenz in den Alltag einzieht und wie die scheinbar banalen Handlungen zu Momenten der Achtsamkeit werden.
Fazit: Die Meditation hinter der Linse
Routine als Ritual zeigt, dass Zen-Fotografie nicht nur im Bild, sondern im Tun selbst beginnt. Kleine Handlungen, die wir wiederholen, werden zu stillen Übungen der Aufmerksamkeit. Sie formen nicht nur unsere Technik, sondern auch unseren Geist.
Wer die Schönheit des Alltäglichen erkennt, entdeckt, dass Fotografie weit über das Bild hinausgeht: Sie wird zu einem Dialog zwischen Hand, Auge und Herz. Jedes Objektivputzen, jeder Blick auf die Ausrüstung, jede kleine Bewegung wird zu einem Akt der Präsenz.
„Wer das Tun ehrt, ehrt den Moment.“
Wer die Rituale hinter der Linse noch tiefer erleben möchte, findet im Kurs „Achtsamkeit in der Fotografie“ Möglichkeiten, Präsenz und Routine zu üben – ohne Druck, nur mit Aufmerksamkeit und wachem Blick.

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